Der Nitzan-Chor aus Israel zu Gast im JoHo

Im Dezember 2015 konnte man im JoHo live miterleben, wie gut Krankenhaus und Kultur - im wahrsten Sinne des Wortes - harmonieren können.

Kulturelle Kontakte

Im Dezember 2015 konnte man im JoHo live miterleben, wie gut Krankenhaus und Kultur - im wahrsten Sinne des Wortes - harmonieren können. Über drei Tage, die sich aufgrund des straffen Programms allerdings eher nach 3 Wochen anfühlten, war der Nitzan-Chor aus Netanja (Israel) zu Gast bei uns. Der Chor bereicherte das JoHo und Dortmund mit grandiosen Auftritten, überaus herzlichen Begegnungen und mit ganz viel mediterraner Lebensfreude.

Zuerst einmal ging es früh morgens mit einem großen Reisebus und einem ganzen Empfangskommando nach Frankfurt zum Flughafen. Israel-Fähnchen, ein großes Empfangsschild und eine Fotografin durften da natürlich nicht fehlen. Der Flieger mit den 20 Mitgliedern des Nitzan-Chors landete pünktlich und der Bustransfer nach Dortmund verging, bei einer ersten (ausgiebigen) Gesangsprobe des Chores, wie im Fluge. Schon da wurde, trotz fragwürdiger Bus-Akustik, klar – die jungen Herrschaften haben gesangstechnisch einiges auf dem Kasten!
Nach einem eher nicht so koscheren Mittagessen - den Chormitgliedern Stand der Sinn nach herzhafter Pommes/Currywurst - wurden direkt die ersten zwei Auftritte absolviert. Der erste mit der Chorakademie DO im K5 und der zweite bei der Weihnachtsfeier der Johanneshilfe.
Am darauffolgenden Morgen stand etwas ganz besonderes auf dem Programm: Ein Besuch der jüdischen Gemeinde und der Neuen Synagoge Dortmund in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße. „Früh morgens“ um 9:00 Uhr wollten wir uns mit dem Chor im Foyer des Jugendgästehauses treffen, um gemeinsam zur Synagoge zu laufen. Die Abreise verzögerte sich allerdings deutlich, denn leider war zur vereinbarten Zeit weit und breit niemand anzutreffen. Der komplette Chor lag noch in den Federn. Nachdem alle aufgeweckt und gesättigt waren, ging es dann in Windeseile los. In der jüdischen Gemeinde, gab es viel Interessantes zu lernen – über jüdische Kultur, Völkerverständigung und natürlich über wunderschöne Chor-Musik.


Auch beim nächsten Programmpunkt waren unsere Improvisationskünste gefragt. Es galt, zwecks offiziellem Fototermin mit der Stellvertretenden Bürgermeisterin, gemeinsam von der jüdischen Gemeinde zur Propstei zu laufen. Was ja erst einmal gut machbar klingt. Der Weg, der normalerwiese nicht länger als 20 Minuten dauern sollte, dehnte sich allerdings auf eine volle Stunde aus. Der Grund ist schnell benannt: Der verlockende Dortmunder Weihnachtsmarkt sorgte dafür, dass von den 20 Chormitgliedern nur ca. 5 ankamen. Alle anderen konnten den süßen Markt-Verlockungen nicht wiederstehen, was bei uns zu einigen Schweißperlen und einer unvergesslichen „Einsammelaktion“ führte. Mit etwas Verspätung kam dann der Fototermin doch noch zu Stande.
Es folgten zwei weitere Konzerte des Chores – der erste im Panorama-Café des St. Johannes Hospitals und der zweite in der Propsteikirche. Der Auftritt im Panorama-Café wurde sogar auf alle Patientenfernseher und in die Kapelle übertragen. So hallten majestätische Chorgesänge durch alle Gänge des Hauses. Chormusik ist eines der wirkungsvollsten Mittel, um ein kulturelles Erbe zu bewahren, zu verbreiten und Trost in dunklen Momenten zu spenden. Singen im Chor schafft Gemeinschaft! So erlebten wir eine unvergleichbar feierliche und fröhlich-vorweihnachtliche Stimmung im St. Johannes Hospitals. Gänsehaut und Begeisterung pur und vielleicht unser Lieblings-Joho-Moment-aller-Zeiten!


Der Auftritt in der Propsteikirche war ebenfalls absolute Spitzenklasse und aufgrund der besonderen Kirchenakustik sicherlich der musikalisch eindringlichste innerhalb der drei Tage. Gegen 20:00 Uhr hatten wir dann alle Feierabend und haben bei feinster Pizza des italienischen Lokalmatadors Il Golfo den Abend ausklingen lassen.


Am darauffolgenden Tag fand mittags, dieses Mal im Rahmen der Messe zur Marktzeit - erneut in der Propsteikirche, eine weitere Darbietung statt.


Um 16:00 Uhr stand dann die Abreise aus Dortmund zu einer anderen Showbühne in Hessen an. Eigentlich. Denn erneut war außer dem Orga-Team niemand da. Sämtliche Chormitglieder wollten wohl noch schnell Souvenirs auf dem Weihnachtsmarkt kaufen oder hatten sich in der zugegebenermaßen sehr unübersichtlichen Thier-Galerie verlaufen. Am Ende konnte der Chor mit Verspätung und einem übertrieben schlecht gelaunten Busfahrer dann doch noch erfolgreich abreisen.


Die drei Tage mit dem Nitzan-Chor waren arbeitsintensiv aber auch unglaublich spannend und unvergesslich. Sämtliche Konzerte des Chores waren erlesene musikalische Darbietungen - exakt, emotional und auf den Punkt gebracht.
Die Berufsrealität als „Tourmanager “ eines Chores ist allerdings doch zeitaufwendiger und stressiger, als wir das vorher vermutet hatten.

 

Christine Berthold und David Gößwein

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